Donnerstag, 27. Juli 2006

Mit Eva auf dem Markt..

..gewesen und gestaunt. und wieder: soviele Menschen! Und diesmal zur Abwechslung auch ein paar Frauen. todays favourite: der fahrradstand mit den "brand new bikes"indien-tag-1-024indien-tag-1-029

Das erste Abenteuer

Nachdem ich gestern mit Eva nur kurz draußen beim Bügelmann* , beim Schneider und auf einer Europäerparty war, hab ich mich jetzt das erste mal alleine auf die Straße getraut. Der Trick dabei ist, sich nicht beirren zu lassen, hocherhobenen Kopfes, als gehöre einem die Welt, herumzustolzieren und immer ein bisschen angepisst auszusehen.
Es ist Wahnsinn, man geht auf die Straße und überall sind Menschen, die mich anstarren, als hätten sie soetwas noch nie gesehen. Innerhalb von fünf Minuten bin ich Schweiß überströmt und schlängele mich durch enge Straßen, Menschen, Menschen und noch mehr Menschen; Kinder, die mich aus großen Augen anschauen, Autos, Rikshas, Motorräder, Fahrräder, die für diese kleinen, schmalen Leute viel zu groß aussehen. Und natürlich wird wieder gehupt, ununterbrochen
und in ohrenbetäubender Lautstärke gehupt.
man läuft diese Straßen hinunter und da sind immer mehr Geschäfte, Obsthändler, es scheint nie aufzuhören; der Matsch dringt in die Schuhe und sie hupen immer noch. Ich fühle mich wie Alice im Wunderland und ärgere mich, dass ich nicht genauer hingucken kann; man muss durch diese Leute - eben gerade diese tausenden von Männern - hindurchsehen, damit man nicht permanent angesprochen und belagert wird. Eine ordentliche Frau geht hier nicht auf die Straße und so ist es umso befremdlicher, 3 Frauen auf etwa 100 Männer...

Auf dem Rückweg dann die Chance mal einen von diesen Bussen zu fotografieren, über die ich vorhin geschrieben habe. leider unscharf und nicht ganz das was ich meinte, aber immerhin

* Der Bügelmann steht mit einem uralten, riesengroßen Bügeleisen auf der Straße und bügelt für ein paar Cent Hemden.

Tag 1



Schon in der Warteschlange zur Gepäckabgabe komme ich ins Gespräch mit einer Frau um die vierzig, im Sari, über die Schulter einen schlafenden Jungen geworfen. Sechs Stunden später wird sie mir Ihre Telefonnummer geben, damit ich sie in England, wo sie jetzt wohnt, werde anrufen und besuchen können.
In der Wartehalle treffe ich Leo (ausgesprochen wie das Sternzeichen auf englisch), eine deutsche Backpackerin, die auch zum ersten Mal nach Indien fliegt.
Im Flugzeug komme ich kaum zum Schlafen - umringt von indischen Männern, die mich allesamt anstarren, und das 7h lang. Ich schaufle diesen gelben, undefinierbaren Brei mit Stückchen in mich hinein, ignoriere die Wand aus schwarzen Augen, die immer wieder unverhohlen versucht, einen besseren Blick auf mich zu bekommen und verjage den Gedanken, der Matsch sei eindeutig vorverdaut.
Ich sehe mich im Flugzeug um, die meisten Reisenden sind Inder, die Stewardessen tragen allesamt Sari - wunderschöne noch dazu - knallen einem aber alles so vor die Nase, das man sich gar nicht mehr bewegen will, ruhig alles entgegen nimmt und sich bemüht, nicht aufzumucken. An der Decke sind Fernseher montiert, die beim Abflug gefährlich ruckeln, später aber erheblich zu meiner Unterhaltung beitragen, als immer wieder die gleichen Musikvideos durch laufen: Indische Männer mit Schnurrbärten und Karottenhosen, die wunderhübschen indischen Damen auf Bergen hinterherlaufen und dabei merkwürdige Lieder singen. Durchwirkt von jack Johnson Musikvideos, Comedyepsioden und Ausschnitten aus Bollywood-Filmen ergibt das eine interessante Mischung. Noch dazu besitzt jedes Gerät eine ganz persönliche Farbstickigkeit und so entwickelt das ganze eine geradezu psychedelische Wirkung. Air India ist eben doch etwas ganz anderes.

7h später sind wir gelandet und laufen durch Korridore, in denen die Farbe von der Wand blättert. An der Gepäckausgabe treffe ich Leo; wir schieben uns gemeinsam dem Ausgang zu und man fühlt sich wie auf dem Catwalk: Durch eine enge Passage ruckeln wir mit unserem Gepäck, an beiden Seiten sind Absperrungen, hinter denen sich die Menschen drängen und uns neugierig beäugen.
Wir finden den Ausgang und sind sofort überwältigt von tropischer Schwüle, diesem druchdringenden Asphaltgeruch, der ein bisschen süßlich ist und den Menschen - vielmehr Männern. Überall sind Männer, Männer mit Schnurrbärten, Turbanen und Bäuchen und wir sind unmittelbar umringt von Rikshafahrern, Rikshafahrern mit Schnurrbärten, Turbanen und Bäuchen, die uns allesamt zu horrenden Preisen kutschieren wollen.

Staunend sitzen wir auf dem Bordstein, rauchen, trinken Eiskaffee - es ist vier Uhr morgens und Leo weiß noch nicht, was sie machen wird, wo sie hingehen wird.
Immer wieder fahren Busse vorbei. Als der dritte dieser Art, allesamt ohne Türen, verdreckt und ausgeblichen, scheppernd vorüber rumpelt, sehe ich ein, dass es sich beim ersten, den ich sah, nicht um ein außergewöhnlich schäbiges Modell handelte.
Wir verabschieden uns, ich suche und finde den Prepaidtaxi Stand (erneute Traube von Männern, die mir im Halbkreis stehend Platz machen) und es geht los.

wer noch nie ein indisches Taxi gesehen hat, weiß nicht, auf was man sich da einlässt. Mit einem Ruck ist die Tür zu, Gurte gibt es nicht. Ampeln gibt es, aber die sind vollkommen überflüssig. Die Luftfeuchtigkeit ist wahnsinnig, auf der Straße unzählige Rikshas, Taxen und jede erdenkliche Art von Fahrzeug. Neben uns trabt ein Stier über die Straße. Von Vorfahrt oder geregeltem Verkehr hat hier noch niemand etwas gehört, die Hupe immerhin gehört zum Standartinstrument bei jeder Fahrt - selbst wenn sie niemand beachtet. Ich klebe am Fenster, unterhalte mich mühsam mit dem fahrer, der mein Englisch nicht versteht und wenn er es versteht in unverständlichem Englisch antwortet. Er lächelt über meine Fragen zum traffic ja, das sei hier immer so. das Komische ist: ich habe keine Angst. Jeder findet seinen Weg, wird eingekeilt, macht sich los, schlängelt sich durch - ein heilloses Chaos, vollkommen undeutsch, und es funktioniert wunderbar.
Der Fahrersitz ist rechts, vermutlich ein Überbleibsel aus Kollonialzeiten und wie ich mir so die verbeulten Karren um uns herum betrachte, schießt es mir in den Kopf, wie bezeichnend das ist, für Deutschland: Herz und Fahrersitz links.

Es wird halb sechs, bis wir die Nummer A-16 gefunden haben, zwischendurch versucht der Fahrer, mich bei einem anderen Haus rauszuschmeißen, weil es ihm offensichtlich reicht. Auf der Scheibe steht A2 und ich lasse mich nciht beirren. Das hier ist besser, als morgens halb fünf mit Koffer und Handgepäck in einer fremden Stadt zu stehen und keine Ahnung zu haben.
Wir kurven durch die schlammigen Straßen, auf und ab, im feuchten Luftzug der Morgendämmerung; überall sind Hunde, abgemagerte wilde Hunde, die mitten auf der Straße liegen und nur mühsam in Gang kommen. Ein besonders mageres Exemplar liegt schlafend auf dem Dach eines parkenden Autos. Noch zahlreicher als Hunde sind Menschen, ebenfalls schlafend. Einige haben eine Art Bettgestell, dass sie am Straßenrand aufgestellt haben, die meisten liegen einfach auf Mauern und aspahltieren Gehwegen, sofern vorhanden. Wir fragen uns durch, kommen an, ohne eine Wort verschwindet das Taxi um die nächste Ecke. Der Portier bedeutet mir unwirsch, ihm zu folgen und ich stolpere mühsam mit meinem Koffer hinterher. Eva öffnet verschlafen die Tür. Ich bin in Delhi.

Bild: Rinki, unsere maid

Nora reist

6 Monate Indien + 2 Monate Südafrika

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