Freitag, 28. Juli 2006

Die staubigen Straßen

indien-tag-1-033

Isa und ich, wir sitzen und lesen im Kerzenschein. Wieder kein Strom. Die Zeit fließt hier beständig, Stunde um Stunde um Stunde.
Ein unbegreiflicher, stetiger Fluss, Sandkorn auf Sandkorn.
Der Schmutz, der Lärm, draußen vor der Tür und doch ist alles wie eingeschmolzen in ein einzige permanent vorangehendes, ein einziges statisches Gefüge.

Rinki kocht in der Küche, Dhaal vielleicht, sieht abundzu herüber und strahlt mich an, wie ich hier in Unterwäsche und ganz klebrig sitze.
Die Hitze, die Luftfeuchtigkeit. Man sagt mir, es sei doch kühl.

Im Shop gegenüber kaufe ich Streichhölzer; 5 Rupien, 12 Packungen für 10 Cent.
Unzählige Rikshas und Autos und Fahrräder dringen gedämpft in ihrem Lärm und Schmutz und Staub hinein. In der Nähe soll es frei herum laufende Affen geben, und auch Eisvögel, aber ich habe noch keine gesehen.
Sie lachen, wenn ich vorbei gehe und mir der Schweiß in die Augen rinnt, die Menschen; die zarten, feingliedrigen, okkafarbenen Menschen. Und ich muss auch lachen, wenn ich mir mich selbst vorstelle, mit dem langen Rock und dem Brusttuch und dem roten Kopf, von dem der Schweiß in den Nacken und und unters Kinn tropft.

Es ist beinahe immer ein bisschen dunstig hier, in einer Stadt voller Kontraste.
Glitzernde, große, klimatisierte Einkaufszentren, dass man fröstelt, wenn der Portier in seiner Uniform einem die große, saubere Glastür geöffnet hat. Nebenan verkauft ein abgerissener Händler frischgepressten Saft in staubigen Flaschen.
Überall die schlafenden, handelnden, stehenden Menschen.
Und die Augen natürlich; Augen so dunkel, sie leuchten fast.

Ganz plötzlich nun sind sie nicht mehr bedrohlich fremd, diese staubigen, unebenen Pfützenstraßen, die der Monsun in Minutenschnelle in eine Tümpellandschaft verwandelt.
Wenn man sich dann wieder hierhinein geschleppt hat und dann das kalte Wasser... Es kann nichts Besseres geben, als dieses kalte Wasser, das ausflockt, wenn man Tee damit kocht und das selbst mit Zahnpasta noch ganz absonderlich schmeckt.
Keine Dusche, aber ein großer Eimer, aus dem man das Wasser schöpfen kann.
Alles ist simpel, merkwürdig simpel.

Nora reist

6 Monate Indien + 2 Monate Südafrika

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