Neue Qualitäten und Technik die begeistert
Manmanman - eben wahnsinnigen Stromschlag beim PC einstöpseln bekommen. Nicht nur steht dieser Computer permanent unter Strom (man lege eine CD ein und harre der Dinge, die da kommen mögen...), auch die wackeligen Steckdosen halten in etwa, was sie versprechen...
Gestern abend kleine Abschiedsparty für die Mitbewohnerin gefeiert, die heute morgen wieder gen Heimfahrt geflogen ist.
Ansonsten sehr faule Tage.. leider ist auch Taj Mahal ins Wasser gefallen - morgen sollte es losgehen, zu diesem Bauwerk, bei dem ich unwillkürlich an Beaune denken muss. Monumente für die Liebste. Aber das ist eine andere Geschichte. Vll klappt es ja noch. irgendwann.
Ansonsten entdecke ich - trotz fauler Tage - immer neue Seiten an mir, deren zu Tage treten ich nicht für möglich gehalten hätte. Hocherhobenen Kopfes stolziere ich durch die Straßen, lasse mich nicht beirren, handle unbewegten Gesichtes die Preise herunter, bis mir der Händler blutenden Herzens die heißgeliebte Ware überlasst, als drücke er mir seine Eingeweide in die Hand. Die Bettler, die Kuli-Kinder, die Straßenhändler (an dieser Stelle wären ein paar Brocken Hindi wirklich nicht hinderlich; allein schon um einmal, nur ein einziges Mal sagen zu können, "nein, ich möchte diese überdimensionierte, hässliche Tasche nicht kaufen. Nein. ich möchte diesen Bindfaden nicht kaufen...usw usf") - sie alle lassen sofort von mir ab; wenn sie meine Nase in der Luft und meine Hand seitlich abwinken sehen. Ich mache mir ja schon fast Sorgen: Sonst mühsam bezähmte und nun in vollen Zügen ausgelebte, natürliche Arroganz? Oh, aber wenn sie einmal diese Bettler, diese Kinder gesehen haben, die sich durch den Verkehr schlängeln und einem die Hand aufs Knie legen, einem das schlafende Baby direkt unter die Nase, die fingerlosen Leprahände direkt vors Gesicht halten, dann werden Sie verstehen. Jedes mitleidige Lächeln, jede auch nur andeutungsweise freundliche Geste klebt einem diese Menschen an die Versen "Mam, mam...excuse me mam... (dann etwas das ich nicht verstehe, vll über die unglücklichen Umstände oder warum sie mein Geld so dringend brauchen und wieder:) Man... Mam..."
Aber kann man jedes Kind füttern? kann man sich darauf einlassen, wirklich einlassen, ohne einzugehen wie eine vertrocknende Primel?
Eine Doppelmoral sondergleichen, dass man dann wieder zurückgeht, in seine wohl temperierten, schön geputzten, schön ausgestatteten europäischen Räume; dass man sich einmietet in den sauberen, bewachten Vierteln, auf 100qm Wohnfläche etwas zu essen bestellt und die Fernseher einschaltet.* Vom Bettler zu Vanity Fair. Es ist Unsinn zu denken, man käme und alles würde besser oder anders. Und zum Glück bin ich nicht mit diesem Gedanken gekommen.
Die unmittelbare Coexistenz von upper class und slum, das ist, was mich hier immer wieder aufs neue verblüfft. Immer noch senke ich ein bisschen beschämt den Kopf, wenn die 16jährige Rinki kommt, kleine, schmale Rinki, und um mich herum den Boden wischt, während ich lesend und Kaffee trinkend im Bett liege. Also koche ich den Kaffee selbst, wedle Staub und die kleine, schmale Rinki und ihre kleine Schwester gehen mir nach, beobachten mich, staunen und aus ihren Gesichtern ist unmissverständlich ein Kopfschütteln zu lesen. Wir Europäer, wir sind schon komisch.

*Anmerkung - bei uns hier ist das nicht so; aber die meisten Europäer die ich bisher getroffen habe tun eben das
Riksha zu Sarojini Market
Gestern abend kleine Abschiedsparty für die Mitbewohnerin gefeiert, die heute morgen wieder gen Heimfahrt geflogen ist.
Ansonsten sehr faule Tage.. leider ist auch Taj Mahal ins Wasser gefallen - morgen sollte es losgehen, zu diesem Bauwerk, bei dem ich unwillkürlich an Beaune denken muss. Monumente für die Liebste. Aber das ist eine andere Geschichte. Vll klappt es ja noch. irgendwann.
Ansonsten entdecke ich - trotz fauler Tage - immer neue Seiten an mir, deren zu Tage treten ich nicht für möglich gehalten hätte. Hocherhobenen Kopfes stolziere ich durch die Straßen, lasse mich nicht beirren, handle unbewegten Gesichtes die Preise herunter, bis mir der Händler blutenden Herzens die heißgeliebte Ware überlasst, als drücke er mir seine Eingeweide in die Hand. Die Bettler, die Kuli-Kinder, die Straßenhändler (an dieser Stelle wären ein paar Brocken Hindi wirklich nicht hinderlich; allein schon um einmal, nur ein einziges Mal sagen zu können, "nein, ich möchte diese überdimensionierte, hässliche Tasche nicht kaufen. Nein. ich möchte diesen Bindfaden nicht kaufen...usw usf") - sie alle lassen sofort von mir ab; wenn sie meine Nase in der Luft und meine Hand seitlich abwinken sehen. Ich mache mir ja schon fast Sorgen: Sonst mühsam bezähmte und nun in vollen Zügen ausgelebte, natürliche Arroganz? Oh, aber wenn sie einmal diese Bettler, diese Kinder gesehen haben, die sich durch den Verkehr schlängeln und einem die Hand aufs Knie legen, einem das schlafende Baby direkt unter die Nase, die fingerlosen Leprahände direkt vors Gesicht halten, dann werden Sie verstehen. Jedes mitleidige Lächeln, jede auch nur andeutungsweise freundliche Geste klebt einem diese Menschen an die Versen "Mam, mam...excuse me mam... (dann etwas das ich nicht verstehe, vll über die unglücklichen Umstände oder warum sie mein Geld so dringend brauchen und wieder:) Man... Mam..."
Aber kann man jedes Kind füttern? kann man sich darauf einlassen, wirklich einlassen, ohne einzugehen wie eine vertrocknende Primel?
Eine Doppelmoral sondergleichen, dass man dann wieder zurückgeht, in seine wohl temperierten, schön geputzten, schön ausgestatteten europäischen Räume; dass man sich einmietet in den sauberen, bewachten Vierteln, auf 100qm Wohnfläche etwas zu essen bestellt und die Fernseher einschaltet.* Vom Bettler zu Vanity Fair. Es ist Unsinn zu denken, man käme und alles würde besser oder anders. Und zum Glück bin ich nicht mit diesem Gedanken gekommen.
Die unmittelbare Coexistenz von upper class und slum, das ist, was mich hier immer wieder aufs neue verblüfft. Immer noch senke ich ein bisschen beschämt den Kopf, wenn die 16jährige Rinki kommt, kleine, schmale Rinki, und um mich herum den Boden wischt, während ich lesend und Kaffee trinkend im Bett liege. Also koche ich den Kaffee selbst, wedle Staub und die kleine, schmale Rinki und ihre kleine Schwester gehen mir nach, beobachten mich, staunen und aus ihren Gesichtern ist unmissverständlich ein Kopfschütteln zu lesen. Wir Europäer, wir sind schon komisch.

*Anmerkung - bei uns hier ist das nicht so; aber die meisten Europäer die ich bisher getroffen habe tun eben das
Riksha zu Sarojini Market
la lune qui brille - 1. Aug, 21:44
Mich hat es auf die Palme gebracht, wenn ein Bettler hartnäckig auf meinen Fersen blieb, aber den Inder, der gerade seinen neuen Mercedes
einparkteeinparken ließ, nicht ansprechen mochte.Und: Doppelmoral? Diese Vermutung führt, so hat es mir mal jemand in der Dritten Welt erklärt, dazu, dass die Europäer den locals die Arbeit wegnehmen. Weil sie lieber selber putzen/fahren/einkaufen (zutreffendes bitte ankreuzen), als jemand anderen das machen zu lassen und ihr dafür zu bezahlen. Und damit seine Existenz gefährden.
Naja, man ist eben Europäer und die leute erwarten, man hätte den ganzen Rucksack voll Geld. Eva spricht Tamil und hat eben so eine Unterhaltung über ihren Rucksack schon mithören dürfen. dass nur dreckige T-Shirts drin waren, das glaubte ihr keiner. Abgesehen davon sind die upper class Inder versierter im leute wegschicken und sicherlich ist da von einem Fremden, der die bettelei nicht gewöhnt ist, mehr zu erwarten.
Ich weiß @Doppelmoral; Rinki zB hat es hier verhältnismäßig sehr gut und trägt erheblich zur Familienernährung bei - und doch fühlt man sich, als lasse man sich von vorne bis hinten bedienen, was eben so gar nicht mein fall ist.