Chaos

(bisher ein offline Beitrag, der leider nicht fertig wurde, weil da grade der PC-Experte sein Glueck versuchen wollte...)

Nun spinnt leider auch dieser PC ein bisschen.. ich verscuhe trotzdem mal, wenigstens noch ein paar reiseindrücke loszuwerden. Wir sind also - nach übermenschlichen Anstrengungen,die Lena und mich an den Rande des Nervenzusammenbruchs brachten, aber das ist eine sehr lange Geschichte... :) - am 29. losgefahren und kamen abends in Agra an. Um halb fünf quälten wir usn aus dem etwa 1,80 langen Bett und weg vom Grusel-Ventilator zur Rückseite des Taj mahals auf der anderen Seite des Flusses um den Sonnenaufgang zu sehen.Wir merkten zwar ziemlich schnell, dass nichts war mit Sonnenaufgang denn es war grau und verregnet und wurde einfach nur hell, aber wir waren trotzdem glücklich und saßen müde aber begeistert auf einer kleinen Sanddüne. Also der Beweis: das Taj Mahal kann man auch aus anderen positionen fotografieren,als nur von vorn :)

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Gegen 7 gings weiter zum Taj mahal, wo wir zwar unverschämt viel Eintritt zahlen mussten (es gibt tatsächlich Inder und Touristenpreise, in diesem Fall 20 zu 750 Rupees, aber es lohnt sich! unterwegs gabelten wir noch einen guide auf - jeder, aber absolut jeder in Agra ist übrigens guide udn alles, aber auch alles ist ein harter Kampf, preislich, meine ich. Aber verhandeln habe ich ja zum Glück schon gelernt und somit war auch das kein hindernis, wenn auch ein bisschen anstrengend. Zum Taj Mahal also, mit unserem guide, der nicht ein einziges mal lächelte udn seine drei Sätze, für die er ebenfalls viel zu viel geld von bekommen hat, derartig monoton runterleierte, dass wir vor Lachen kaum an uns halten konnten. Zusätzlich wurden wir zu den Standartbildern zwangsverpflichtet und zogen den Hohn aller Einheimischen auf uns, da wir lieber die Schuhe auszogen,als uns diese grauenhaften Plastiktütchen ueber die Schuhe zu stülpen. nach 2h hatten wir es geschafft, aber es dauerte noch mindestens 3 weitere, bis ich die Erfahrung Taj Mahal wirklich aufgenommen hatte und realisierte, was für ein Wahnsinn das ist. Nun schaut mans ich die Bilder an und kann gar nicht glauben, dass sie echt sind.



Später gings noch in einen kleinen Park und dann zum baby Taj,was sehr nett war.

Gegen 5 hatten wirs dann endlich an den Bahnhof geschafft und kauften einfach irgendein zugticket (inständig hoffend, es wäre nicht so ein Zug wie die, die wir schon auf der Hinfahrt hatten sehen können: Es passt immer noch einer rein. Und noch einer. und noch einer. 6 kleine Inder hängen noch mindestens aus dem Zug, wenn er anfährt). Genau so ein Zug war das. Wir beschlossen usn dumm zu stellen und stiegen dreist in der Sleeperclass ein. und nach dem ersten Schock meinerseits (Lena hat ja schon Afrika-Buserfahrung) wurde es auch noch richtig nett. man sitzt hinter vergitterten fenstern, die Türen sind allgemein offen, also auch während der Fahrt, damit immer noch einer aufspringen kann, von den halbvergammelten Liegen baumlen schwere, rostige Ketten und sauber ist was anderes, aber mehr als genug, um zu sitzen, aus dem Fenster zu schauen und froh zu sein, dass man unterwegs ist. Allein waren wir natürlich nicht lange. Innerhalb einer halben Stunde waren wir umringt von 15 Männern und offensichtlich eine riesen Attraktion und konnten mit unseren drei Brocken Hindi (man versteht doch erstaunlich viel, nach so kurzer Zeit!) das ganze Abteil unterhalten. gleich hagelte es wieder Emailadressen, Djai und Kokosnuss von den Händlerkindern, die an den Bahnhöfen leben und Früchte und dergleichen im Zug verkaufen. Zugegeben, nach 5h war mir das auch ein bisschen zu viel, die Leute tauten zusehends auf und wurden ein bisschen anstrengend, dann waren wir aber endlich an der new Delhi trainstation, schlugen uns durch die Schwärme von Menschen, Haendlern und Betruegern und fuhren zu Eva. Zwei Tage spaeter sind wir dann ins Hotel umgezogen - Pahar Ganj ist ein Drecksloch! Zwar viele Laeden, aber auch alle Backpacker und ein enormer Geraeuschpegel. Allgemein draengte sich der Eindruck -sowohl in Agra als auch in Delhi als auch in Pushkar auf, dass Lena und ich die einzigen sind, die hier Spass haben. Die anderen Backpacker sind unfreundlich, muede oder ganz extrem wichtig - oder alles gleichzeitig. Wir fragten usn schon oefter: gescheitert auf dem Selbstfindungstrip?! Dieses Land jedenfalls ist ganz fantastisch, vielfaeltig, atemberuabend, oft anstrengend - aber wann ich das letzte Mal ueber einen so langen Zeitraum so ausgeglichen und durchweg gluecklch gewesen bin, das kann ich gar nicht sagen!

...Pahar Ganj also; dann doch nciht das ganzx billigste Zimmer und trotzdem extremer Ekel. Alles ist irgendwie versifft, im Bad will man gar nicht duschen, weil man nicht einen Fuss auf diesen Boden setzen will udn nach den zwei Naechten dort sind wir beide heiser und kaputt und haben trotzdem jede Menge Spass; Kaufrausch auf dem Sarojini (es ist so praktisch, wenn man Freunde hat, die einem den Kram mit nach Hause karren...), Entspannung am Khan Market, wundervolles Essen in Defence Colony, eine beruehrende Indira Ghandi Ausstellung usw usw. Nett war auch der Kinobesuch in Connaught Place, nur etwas stoerend der Kerl, der meinte, sich hinter uns einen runterholen zu muessen. Komischerweise kein Ekel sondern nur das blanke Mitleid - die ziemlich verklemmte Einstellung zur Sexualitaet in diesem Land... nunja. Der Film war auch ein Klassiker. Sprachkenntnis waere voellig ueberfluessig gewesen, denn erstens hatten wir viel mehr Spass beim Fantasie-Simultanuebersetzen (auch wenn unser permanentes Gelaechter die gebannt auf die Leinwand schauenden Inder etwas irritiert haben mag) und zweitens war der Film, bei dem ausnahmsweise mal nicht nur gesungen, getanzt und geliebt sondern auch noch geklont und gemordet wurde, auch ohne Text vollkommen verstaendlich im Haldlungsverlauf, wenn auch nicht unbedingt einleuchtend. Ausserdem haben wir im Film rausgefunden, wie Inder Sex haben: Sie tanzen udn singen und reiten auf Pfereden und Schlangen kriechen ueber ihre Koerper und staendig haben sie was anderes an und hinterher sind sie genaus so angezogen wie vorher und sitzen mit Sicherheitsabstand im Gras.

Der Beste Teil der Reise - das konnten wir dort allerdings noch nicht wissen - sollte noch kommen.

Ueber einen Tipp von Yasmin verschlaegt es uns mit dem Shatabdi (ein toal angenehmer Zug, der eben leider auch teuer ist. Teuer heisst: Etwas mehr als 10 Euro fuer fast 7h Zugfahrt...) nach Rajasthan. Wir stolpern noch etwas benommen aus dem Bahnhof in Ajmer und blinzeln in eine gelbe Sonne; es ist heiss und farbig und sofort fuehlen wir uns wohl und sind gespannt, fahren mit dem schrubbeligen Bus nach Pushkar und fotografieren schon auf der Fahrt durch die Berge wie wild - um schliesslich in einem Stueck Paradies anzukommen.
Zuerst werden wir hier zum See gezerrt, dort muessen wir Beten und Pushkar um gutes Karma und alles Gute fuer die Familie und einen guten Ehemann usw usw bitten; Lena findet es schrecklich, ich finde es fantastisch und gebe zum ersten Mal gern etwas Geld.
Wie wunderschoen dieser Ort ist, wie zauberhaft, wie ruhig, wie mystisch, das muss ich nicht erst versuchen zu erklaeren - es ist unmoeglich! Nicht mal gute Bilder kann man machen, denn nichts wird dem echten Bild gerecht. Soviele immens freundliche Menschen haben wir weder in Agra noch in Delhi noch in Bhopal treffen koennen, die Mentalitaet hier ist eine ganz andere und es ist ungemein entspannend und angenehm und schwer wirds einem schon ums Herz wenn man auf die Uhr schaut und nun sieht: In 2h geht es schon wieder los; aber unsere Zeit ist um und wir muessen zurueck. Allerdings warten ja auch die Kinder auf uns, wir haben viele Ideen und sind zuversichtlich und Lena kaempft mit dem Gedanken, dass sie schon in einem Monat wieder nach Hause muss...

Diese Reise wird uns auf ewig im Gedaechtnis bleiben, so schoen ist es gewesen, so interessant und so gross ist schon der Wunsch, wieder zu kommen und wieder und wieder.
Wenn ich mir nur vorstelle, was haette sein koennen, wenn ich mich anders entschieden haette. Indien ist eine solche Bereicherung, vorstellen kann man sich das nicht, man muss es sehen und fuehlen und in sich aufnehmen. Die ersten 4 Wochen allein hat es wohl gebraucht, um wirklich hinein zu kommen, anzufangen, zu verstehen und doch gibt es noch soviel mehr zu entdecken. Anfangs war ich gar nicht richtig hier, jetzt bin ich angekommen und beginne, dieses Land ganz und gar zu lieben, fuer seine Vielfalt, Erfindungsreichtum, seine immense Andersartigkeit.
Eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Nora reist

6 Monate Indien + 2 Monate Südafrika

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