Die staubigen Straßen

indien-tag-1-033

Isa und ich, wir sitzen und lesen im Kerzenschein. Wieder kein Strom. Die Zeit fließt hier beständig, Stunde um Stunde um Stunde.
Ein unbegreiflicher, stetiger Fluss, Sandkorn auf Sandkorn.
Der Schmutz, der Lärm, draußen vor der Tür und doch ist alles wie eingeschmolzen in ein einzige permanent vorangehendes, ein einziges statisches Gefüge.

Rinki kocht in der Küche, Dhaal vielleicht, sieht abundzu herüber und strahlt mich an, wie ich hier in Unterwäsche und ganz klebrig sitze.
Die Hitze, die Luftfeuchtigkeit. Man sagt mir, es sei doch kühl.

Im Shop gegenüber kaufe ich Streichhölzer; 5 Rupien, 12 Packungen für 10 Cent.
Unzählige Rikshas und Autos und Fahrräder dringen gedämpft in ihrem Lärm und Schmutz und Staub hinein. In der Nähe soll es frei herum laufende Affen geben, und auch Eisvögel, aber ich habe noch keine gesehen.
Sie lachen, wenn ich vorbei gehe und mir der Schweiß in die Augen rinnt, die Menschen; die zarten, feingliedrigen, okkafarbenen Menschen. Und ich muss auch lachen, wenn ich mir mich selbst vorstelle, mit dem langen Rock und dem Brusttuch und dem roten Kopf, von dem der Schweiß in den Nacken und und unters Kinn tropft.

Es ist beinahe immer ein bisschen dunstig hier, in einer Stadt voller Kontraste.
Glitzernde, große, klimatisierte Einkaufszentren, dass man fröstelt, wenn der Portier in seiner Uniform einem die große, saubere Glastür geöffnet hat. Nebenan verkauft ein abgerissener Händler frischgepressten Saft in staubigen Flaschen.
Überall die schlafenden, handelnden, stehenden Menschen.
Und die Augen natürlich; Augen so dunkel, sie leuchten fast.

Ganz plötzlich nun sind sie nicht mehr bedrohlich fremd, diese staubigen, unebenen Pfützenstraßen, die der Monsun in Minutenschnelle in eine Tümpellandschaft verwandelt.
Wenn man sich dann wieder hierhinein geschleppt hat und dann das kalte Wasser... Es kann nichts Besseres geben, als dieses kalte Wasser, das ausflockt, wenn man Tee damit kocht und das selbst mit Zahnpasta noch ganz absonderlich schmeckt.
Keine Dusche, aber ein großer Eimer, aus dem man das Wasser schöpfen kann.
Alles ist simpel, merkwürdig simpel.
Ole (Gast) - 28. Jul, 13:33

Hach! Einmal mehr krabbelt in mir wieder die Idee empor, doch noch eine Weltreise zu machen und zu beschreiben. Ein Riesentext ohne irgendwelches Honig-Bart-Geschmiere! Grandios!

Mal schauen, welche Chancen sich ergeben, nach dem Studium noch etwas Ähnliches, so unendlich Anderes erleben zu können. Auch wenn vieles ziept, nervt, fehlt, schlecht schmeckt, lärmt, einschüchtert, Heimweh weckt - es bleibt doch ewig eindringlich und verschiebt die Weltsichtbrille auf der Nase.

la lune qui brille (Gast) - 28. Jul, 21:58

davon bin ich in jedem Fall überzeugt! falls es dich juckt: du hast meine Emailadresee:)
la lune qui brille (Gast) - 28. Jul, 21:59

Ach so:und danke für das Honig-Bart-Geschmiere!:)
Ole (Gast) - 31. Jul, 20:31

1: Das stimmt. Die werde ich beizeiten auch ansteuern. ;)
2: Gern. Lobhudelei, wem sie gebührt! :)

Ich bitte darum:)
Hyronimus - 28. Jul, 22:43

Schwarzwaldstbchen

Hi !

Daß immer wieder diese schönen Umlaute verschwinden...
Stuebchen, wie sieht denn das aus ?

Hier ist alles wie immer, etwas abgekühlt ist es, die fünf Grad weniger sind aber schon sehr angenehm, man ist erst nach zwei statt einer Stunde völlig durchgeschwitzt.

Mich interessiert ja immer das Essen, was gibt es denn noch so außer gelblichem Matsch im Flugzeug ?
Immerhin wird auch auf dem Frankfurter Flughafen was Indisches geboten :
Currygeschnetzeltes mit Spätzle und Beilagensalat für nur € 3,50.
Zu haben im Schwarzwaldstuebchen, daß sich in irgendeinem Parkhausunterkeller findet :

http://i23.photobucket.com/albums/b367/Hyronimus/Schwarzwaldstbchen.jpg

Großes Lob übrigens für deine Bilder !
Klasse, wie toll dieses kleine Ding funktioniert.
Ob drinnen oder draußen, Tag oder Nacht, die Bilder sind immer klasse.
Wie kriegst du die so winzig (20 kB) in den blog ?
Kann ich eigentlich auch in einen Kommentar Bilder direkt einfügen ?
Bis jetzt geht es nur über den "photobucket".

Grüße aus dem Land, in dem in ein paar Wochen Herbst wird von

J.

la lune qui brille - 29. Jul, 16:36

Um Gottes Willen was ist das denn für ein schreckliches Teil?? Seit ihr da rein gegangen???

Tja, die Bilder sind ja leider nicht mein verdienst sondern die des technischen Wunderwerks... leider steht die Camera jedes Mal komplett unter Strom, wenn man sie an den PC anschließt und da ich das täglich mache, nervts ein bisschen (liegt an dem komischen Laptop; hat wohl ein paar Macken...)

Die Bilder scheint twoday.net automatisch zu verkleinern (Idiotenprogramm :)), ich mach da gar nichts - endlich mal kein Stress mit Photoshop, Picturepublisher oÄ!
Wie man allerdings die Kommentarfunktion bildtechnisch nutzt - keine Ahnung, habs aber auch noch nie probiert... ich schau mal, vll fällt mir ja ein, wie das gehen könnte.

Zur temperatur: raus aus der Dusche - viel mehr: weg von den Wassereimern und man klebt schon komplett, bevor man sich überhaupt hat anziehen können. kein Wunder dass man hier nichts Enges trägt - man kommt ja gar nicht rein vor babb! :) Es ist aber nur die Luftfeuchtigkeit, direkt heiß ists nicht (nur um eins rum ziemlich anstrengend, wenn man typisch europäisch meint, man müsste das haus verlassen...)

Es gibt zermatschtes Gemüse, Dhaal, pürierten Spinat mit indischem Käse, fladenartiges Brot und zu allem Reis - und Joghurt, wenns zu scharf ist. Dank Gewürzen ist aber der Eigengeschmack fast bis zur Unkenntlichkeit verfremdet... Rinki kocht toll!!!

Liebe Grüße

N

Nichts über Bilder in Kommentaren rausfinden können, sorry!

Nora reist

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