Montag, 4. Juni 2007

Unklar

Ich vermute nicht, dass hierdurch irgendetwas deutlich klarer wird, nur versuche ich den fragenden Blicken beizukommen, die man mir zuwirft, wenn ich mit Ortsnamen um mich schmeiße. In Karte 1 ist die Tour vom letzten Jahr eingetragen. Karte 2 zeigt, wo ich die letzten 5 Wochen war bzw wo ich in der nächsten Woche sein werde.

Karte-1

india-3

Freitag, 1. Juni 2007

Retrospektive

McLeod Ganj, vor 2 Wochen

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Nachdem ich mich umgesehen habe, ist die Sinnkrise ueberwunden. Indien ist so - so, dass man alles anzweifelt, sich aufregt, dass sich unerklaerliche, emotionale Abgruende auftun, nur um unmittelbar von absoluter Faszination und euphorischen Ausbruechen abgeloest zu werden.

ich besuche das tibetanische Museum und ernte scheife Blicke, weil ich weinen muss. Alles scheint so surreal. Wieder und wieder muss man sich erinnern: das passiert wirklich. Die chinesische Armee marschiert zu tausenden in ein durchweg friedliches Land ein, unterdruekct und foltert die bevoelkerung udn schaendet eine jahrtausende alte Kultur. Es passiert wirklich: tausende von Tibetanern wandern durch die schneebedeckten Gipfel des Himalayas. Viele ueberleben es nicht, andere erleiden Erfrierungen an den Extremitaeten, leiden an Hunger und Hoehenkrankheit und schaffen es doch schliesslich nach Nepal oder Indien, wo viele abgewiesen, wieder deportiert werden. Fehlende Papiere oder der Verdacht, es koenne sich um chinesische Spione handeln sind einige von vielen moeglichen Gruenden.

Man laeuft durch McLeods Strassen und muss sich immer wieder in Erinnerung rufen: fast alle dieser Menschen hier haben diesen Weg hinter sich, viele waren im Gefaengnis und sind gefoltert werden, viele werden ihre Familien nie wieder sehen und traeumen seit über 50 Jahren den Traum von einem freien Tibet. Es ist ein bekannter Konflikt, umso mehr stellt sich die Frage: warum stossen solcherlei Vergehen an den Menschenrechten nicht auf mehr Gehör? Wie kann ein solcher Konflikt über so viele Jahre andauern, ohne dass sich bedeutende Veränderungen andeuten?

An meinem letzten Tag in McLeod löse ich mein Versprechen ein, dass ich einem tibetanischen Mönch gegeben habe und gehe zur Monastery, um den Dalai Lama zu sehen.
Stundenlang warten die Menschen, geduldig, ruhig. Wir alle knien auf dem Boden des Innenhofs, ein Stockwerk ueber uns haelt der Dalai Lama eine Rede. Sam, der Australier, den ich dort treffe, hat ein Radio und wir versuchen, die englische Übersetzung der Rede zu hören, aber der Empfang ist zu schlecht. Hinter mir drängelt eine tibetanische Frau. Ich schätze sie auf um die 80 Jahre alt. Sie ist so aufgeregt, dass sie kaum still sitzen kann und ich lege einen Arm um ihre Schulter. Sie laechelt mich an. Schliesslich bewegt sich eine kleine Delegation die Treppe hinunter und wir sehen ihn: den Dalai Lama. Ernst wirkt er, nciht ganz so heiter´, wie ich ihn von Bildern in Erinnerung habe. Über der Monastery liegt ein respektvolles, ein friedliches Schweigen. Alle pressen kniend die Handflaechen aneinander, zweifelsohne fuer Frieden betend. Der Dalai Lama nickt in die Runde, lächelt, steigt in einen Jeep und ist auf und davon. Die alte Frau stützt sich an mir ab, um auf die Beine zu kommen, lächelt strahlend und humpelt an mir vorbei, zum Ausgang.

Ein letztes Mal laufe ich zum Wasserfall im benachbarten Baghsu. Das Wasser kommt aus den Bergen und ist eiskalt. Abgesehen von einem Haufen kiffender Israelis und Inder im Urlaub ist es angenehm friedlich hier.

Ich erinnere mich an den Vortag, als ich über 3h lang den Berg hinauf geklettert bin, bis ich - krebsrot im Gesicht und mit vor Anstrengung zitternden Beinen - oben angekommen war und das Tal überblickte. Plötzlich realisieren: ich sitze im Himalaya. Wie komisch das ist, "ich sitze im Himalaya. ich bin 20 Jahre alt und ich sitze allein im Himalaya."
Komisch, wie alles, was so fremd, so weit weg erscheint, einen begleiten, umgeben kann, ohne dass es je möglich wäre, das volle Ausmaß zu realisieren.

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Abends steige ich schweren Herzens in den Bus nach Manali. Ich habe mich einmal mehr in Indiens Diversität verliebt. Die Busfahrt kommt mir vor wie eine Klassenfahrt; Weiße aller Nationalitäten tauschen ihre MP3 Player untereinander aus, kaufen Chips und Süßigkeiten und schleichen sich in den Pausen aus dem Bus, um schnell einen Joint zu rauchen.
Komisch, wie verbunden man sich mit Menschen fuehlen kann, die man nie zuvor gesehen hat und höchstwahrscheinlich nie wieder sehen wird. Und das alles nur, weil man gemeinsam fremd ist.

Morgens um 5 stehen wir in einem ausgestorbenen Manali und finden uns zu Grüppchen zusammen, um Rickshaws zu teilen. Ich fahre mit einem Argentinier und einem Franzosen nach Vashisht, einem Dorf in der Naehe von Manali, dass den entscheidenden Vorteil heißer Quellen hat. Die ersten drei Tage jedoch kein Glück: es ist so kalt, dass wir nachts selbst mit Decken und Schlafsäcken erbärmlich frieren. Zwischen 30 und 50 Grad gewöhnt ist niemand auf Temperaturen um den Nullpunkt vorbereitet.

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Es regnet und regnet und eine graue Wolke folgt der nächsten. Nach 3 Tagen klärt es endlich auf und ich laufe stundenlang am Fluss entlang, nach Manali, das eher laut, etwas schmutzig und typisch indisch ist, nach Old Manali, was touristisch, hübsch und aufdränglich wirkt.

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Die Zeit wird knapper und knapper und mir bleiben nur noch 2 Wochen. Alle anderen fahren nach Leh. Ich beschließe, den Rückweg nach Delhi anzutreten.

Im Bus treffe ich einen sonderbaren Russen mit wildem Blick und brüllendem Lachen. Er erzählt von seinem Job und etwas vom Leben in Moskau. Das Problem, sich vom Bild des Polizisten als Freund und Helfer in diesem Land abzuwenden, hat er nicht: er ist es gewöhnt, davon zu laufen und zu bestechen.

18h später die altbekannten Temperaturen, Straßenlärm und Chaos und ein Gefühl, als käme man nach Hause. Indien hat mich wieder fest im Griff und ich bin unruhig. Ich weiss nicht, was es ist, das mich hält. Ich muss wieder und wieder hierher kommen. Und alles scheint mir so vertraut.

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Sonntag, 27. Mai 2007

Back to basics

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(Shimla)

Nachdem gerade ein langer Absatz ueber die letzten Tage wegen einer unbeabsichtigeten Tastenkombination verschwunden ist und mir ausserdem seit ueber einer Stunde eine Australierin ueber Skype ihre totlangweiligen Privatgespraeche ins Ohr bruellt, die ich nicht einmal mit der vollen Lautstaerke meines MP3Players uebertoenen kann, ist meine Motivation bis aufs Weiterte mal wieder terminiert. ich versuchs mal mit ein paar Bildern...

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Strasse in McLeod

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Blick Richtung Baghsu

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Sadhus (holy men) am Dal Lake, dem heiligen (wenn auch einzementierten) See

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Wassserfalltal, Baghsu

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(...)

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Der Wasserfall

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Sam und ein bekiffter Inder, der versucht, ihm einen Kartentrick zu zeigen und 45min lang klaeglich scheitert

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Fluss in Manali, Augustin aus Argentinien, Nicolas aus Frankreich

Dienstag, 15. Mai 2007

Etappe No. 9

Kleine Sinnkrise nach Ankunft in Dharamsala. Zwar laechelt der Dalai Lama gnaedig und verschmitzt von Plakaten und ich bin unmittelbar in alle Tibetaner verknallt (schon vom Taxi aus bleibt mir die Spucke weg, soviel Anmut, so feine Gesichtszuege), aber der Zustand meiner Toilette laesst weniger auf Green Hotel als auf Brown Hotel schliessen. Waehrend mir der nicht vorhandene Mageninhalt hochkommt, renne ich wuergend aus dem Zimmer und versuche nicht zu ueberlegen, welcher Natur wohl all die lockigen schwazen Haare auf dem Badezimmerboden sein moegen. Die Luftfeuchtigkeit und Enge einer 11stuendigen Busfahrt scheint mir jedesmal aufs Neue zu entgleiten, bis zum naechsten Mal.
Dann die Fragen, warum mache ich das eigentlich? Bin ich uebergeschnappt? Ich koennte jetzt Kiba im Habanero schluerfen und im See herumpaddeln, nur 20 % meiner Umgebung misstrauen und es mir gemuetlich machen. Fragen, die nicht immer zu beantworten sind.
Aber vielleicht morgen wieder.

Montag, 14. Mai 2007

Auf dem Weg der Erleuchtung

Nachts, Old Delhi trainstation

Tausende und Abertausende von Menschen wuseln in einem unuebersichtlichen Wust durch ein Labyrinth aus Bahnsteigen, Anzeigetafeln und Safthaendlern. Oralen Exkrementen ausweichend, die von allen Seiten auf den betonierten Boden klatschen, bahne ich mir meinen Weg durch die Massen. Eine dreiviertel Stunde verbringe ich damit, mein Abteil zu suchen, da mir zahlreiche Menschen, eager to help, den Weg in unterschiedliche Richtungen weisen. 10min vor Abfahrt bin scheissueberstroemt etwas nervoes geworden, waehrend mir ein Inder im falschen Abteil den Weg verstellt, auf Hindi auf mich einredet und ohne ein Wort Englisch ueberzeugt ist, mir helfen zu koennen. Nach mehrern Rugby verwandten Ausweichversuchen, die von seinem kugelrunden Bauch abgefedert werden, sehe ich keinen Ausweg als ihn beiseite zu stossen und aus dem Zug zu springen um zum naechsten Abteil zu sprinten. Schliesslich und endlich komme ich an und sehe mich mit dem amuesierten Kommentar eines mitreisenden Oesterreichers konfrontiert, ich sehe aus, als kaeme ich gerade von einer Wuestensafari.

7 Uhr morgens, Haridwar

Der Oesterreicher, Walter, und ich verlassen den Bahnhof und befinden uns unmittelbar im Auge eines Sandsturms, der nahestehende Baeume entwurzelt und mir die Traenen in die Augen treibt. Wir fleuchten in ein kleines Restaurant und beobachten fasziniert, wie sich der Himmel verdunkelt als sei es finstere nacht und ein unbarmherziges Gewitter sie Strassen peitscht. Die Inder amuesieren sich koestlich.

Desorientiert schlurfen wir durch anhaltenden Nieselregen, werden ziemlich nass und muessen uns schliesslich eingestehen, dass wir exakt in die falsche Richtung gelaufen sind. 20min und akute Rueckenschmerzen spaeter finden wir ein Hotel, dann noch eins und noch ein drittes. Nichts reisst uns vom Hocker, die Preise sind horrend und Haridwar scheint ausser dem Ursprung des ganges nicht viel zu bieten zu haben. Wir fahren nach Rishikesh.

ca 10 Uhr, Rishikesh

Ein schoener und wesentlich freundlicherer Ort. Steile Strassen, Berghaenge, der Ganges, unzaehlbare Sadhus und eine Menge Affen (und sonderbar anmutende Touristen).

Wir schlendern durch die Strassen, lassen uns anbetteln.
Nachts wache ich auf, weil ich solche Bauchschmerzen habe. Mir ist kotzuebel, ich kann vor Kraempfen kaum stehen. Den naechsten Tag verbringe ich lesend udn schlafend.
Womit beschaeftigt man sich in Rishikesh? Yoga, Meditationskurse und Gras, wie mir scheint. Wir fahren weiter und nehmen in Dehra Dun Abschied.

Ich fahre nach Chandigarh und werde von den Menschen im Bus auf angenehme Art und Weise ignoriert.

Chandigarh, ca 18.00Uhr

Die Stadt ueberzeugt mich nicht. Die Hotelzimmer sind eine Katastrophe, dreckig, heruntergekommen, unpersoenlich, teuer. Ich fahre weiter nach Shimla.

Shimla, ca 22.45Uhr

Kaum ausgestiegen bestuermt mich eine Horde wildgewordener Traeger, die mein Gepaeck die steilen Strassen hinauf befoerden wollen, zum Hotel. Ich wehre ab und schnaufe allein und fluchend moerderische Haenge hinauf. Angeregt die Karte studierend hoffe ich nur, bald das Hotel zu finden. Ich habe seit mehr als 12h nichts gegessen, bin eben so lang Bus gefahren und sehne mich nach einem warmen Bett, denn hier ist es empfindlich kuehl.

Ich und mein Lonely Planet laufen also durch die Strassen, wo mich ploetzlich zwei dort herumlungernde Polizisten anhalten, meinen Namen wissen wollen, meinen Pass sehen wollen etc etc. Der Dicke, der offensichtlich der Chef ist, starrt etwa eine halbe Stunde in meinen Pass, spricht kein Wort englisch, laesst mich aber nicht gehen. Er behauptet, das sei kein Pass, er wolle ID sehen, baut sich ungefaehr 10cm vor mir auf und geniesst sich offensichtlich sehr in der Rolle. Der andere lacht nur amuesiert. Meine wiederholten Fragen, was das alles solle, finden kein Gehoer. Meinen Pass haelt der Dicke fest wie einen Goldbarren und ich schlucke die aufkommenden Traenen und bleibe tiefdurchatmend sitzen. Alle, die vorbei kommen, beeilen sich, weiterzukommen und behaupten einhellig, sie spraechen kein Englisch. Der Dicke amuesiert sich praechtig, ich rufe meine Mutter fuer emotionale Unterstuetzung an. Mehr Polizisten tauchen auf und stehen ebenso bescheuert herum ohen irgendetwas zu tun, lassen mich aber auch nciht gehen. Sukhesh ruft an belabert die Bullen, ich sei seine Frau und sie sollten mich gehen lassen etc etc. Die Polizisten behaupten, ich wuesst den Namen meinen Hotels nicht, waehrend ich Ihnen den Namen ins Gesicht schreie, ich sei verdaechtig und das muesste untersucht werden und koennte kosten. Sie lassen mich nciht gehen mit der Begruendung, es sei nach 23.30 und da duerfte ich nicht emhr allein herumlaufen. Eine weitere halbe Stunde vergeht. Weieer darf ich nciht gehen, angeblich weil eine weibliche Kollegin herbeigeholt werden muss, die mich zum Hotel begleiten soll. Noch eine halbe Stunde spaeter kommen zwei weitere Polizisten, ein Mann und eine Frau im Jogginganzug, die ebenfalls kein nglkisch sprechen, ebnfalls dumm rumstehene und ich darf immernoch nicht gehen. Am Ende laeuft nur der Dicke mit mir durch die Gassen, (nicht ohne unterwegs nach meiner Hand zu grapschen und mir im Gesicht herumzufummeln) verlaeuft sich merhmals und bringt mich aus unerfindlichen Gruenden zum Polizeirevier, wo ein freundlicher Officer undgestoert telefoniert und ich eine weitere Viertelstunde herumsitze bis er mich fragt, was denn mein Problem sei und warum ich mir nicht ein Hotel suchte und mich dann mit einer Hoteladresse allein losschickt.
Es ist kurz vor eins, als ich mich durch menschenleere Strassen schleppe. Alles ist selbstverstaendlich geschlossen. nach 5min ist der Dicke wieder da und haemmert an Hoteltueren. ich bekomme ein Zimmer fuer 20Euro die Nacht, vielzuviel fuer mein Budget, aber nicht den Namen des Polizisten. Die Botschaft ist informiert und alle atmen auf, als ich sicher in meinem Zimmer angekommen bin. Eva nennt die indische Polizei potentille Vergewaltiger und mich ein Opfer von Willkuer und Langeweile.
Am naechsten Tag bekniet mich alles, zurueck nach Delhi zu fahren, aber ich will nicht. Wenn ich jetzt Angst habe und das zulasse, werde ich immer Angst haben. ich bleibe.

Nachmittags entdecke ich, wie schoen die Stadt ist, finde das Hotel, in das ich urspruenglich wollte, bestaune die Massen an indischen Touristen, die Zuckerwatte essen und durch die Strassen schlendern. Die Haenge sind so steil, es scheint immer und ausschliesslich bergauf zu gehen, bei jedem Schritt sticht das Herz schmerzhaft. Ich wandere ca 15km mit einem netten Englaender, bestaune das dekandete Regierungsgebaeude, dass die Briten hier erbaut haben und fuehle mich wohl.

Am naechsten Tag werde ich beim Kaffee trinken von einem Astrologen, Yogalehrer, Meditationslehrer (...) angesprochen, der aus meiner Hand die Doppelvenus ersieht, meine Aura bewundert und von mir als einem vollkommenen Wesen mit unterdruecktem Selbst spricht, dass sich unnoetig selbstkasteit und niedermacht, obwohl es unglaublich stark ist. Er entschuldigt sich fuer die Unterbrechung meiner Lektuere, aber sein Gott habe ihne beauftragt mit mir zu sprechen und es sei wichtig. Wir treffen uns nachmittags erneut und er erlaeutert mir, dass er meine Spannungen aufloesen will und den Energiefluss zwischen mind und heart wieder herstellen will. Ich sei zu 80% positiv und zu 20 % negativ, aber der negative Teil sei so stark, dass er den anderen unterdruecke.
Bei einem weiteren Gespraech am Abend werde ich ploetzlich ungemein wuetend, seziere ihn verbal und aergere mich masslos ueber die Wiederholungen von Phrasen, die ich schon in seinem Touristenbuch gelesen habe, Dinge die er schon anderen Mnschen im exakt gleichen Wortlaut erzaehlt hat und die diese dankbar wiedergeben. Er scheint das alles, trotz seiner sagenhaften Verbindung mit mir, nicht zu kapieren und wirkt hilflos, und das obwohl er mir selbst noch sagte, mein Gedaechtnis sei fotografisch.

Nun bin ich immer noch in Shimla und bin unsicher, was ich als naechstes mit mir anfangen will. Dharamsala. Vielleicht.

Dienstag, 8. Mai 2007

...

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03.05.07

Bei mehr als 45 Grad schleife ich mich und meine ca 12kg Gepäck durch Pushkars Gassen. Eine unbarmherzige Sonne brennt vom Himmel, die Straßen sind beinahe menschenleer. Ich bin der einzige Gast in dem Hotel, in dem ich ein karges Zimmer beziehe - nur glücklich keinen Schritt mehr tun zu müssen.
Am nächsten Tag bliebe ich 4h lang in einem Restaurant kleben. Ab 11 steigen die Temperaturen kontinuuierlich, ab 1 kann man keinen Schritt mehr ins Freie wagen. Nicht einmal die sonst so aufdringlichen Priester versuchen, eine Spende zu erpressen.
Der Besitzer meines Hotels, gesprächig und freundlich, eröffnet mir, dass er und seine Söhne morgen nach Rishikesh fahren werden, weil es dort nicht so heiß ist.
Mir fehlen die Worte.

05.05.07

Ich gebe auf.
Im Bus nach Jaipur, wartend auf die Abfahrt.

Während ein Rajasthani in einem bemerkenswerten Singsang die Vorteile eines manuellem Limettenentsafters demonstriert, läuft mir der Schweiß in die Augen. Um zehn war ich durch Pushkars Straßen getrottet, nachdem mir ein Kellner nach eingängigen Fragen nach meinem potentiellen husband beim Händeschütteln fast die Hand gebrochen hat.
Der Bus nach Ajmer ist zum Bersten voll und wie immer ergattere ich einen Platz neben dem Fahrer - und somit halb auf dem Motor.
Während meine Zehen braten und ich mein brennendes Gesicht ignoriere, schlängelt sich der Bus durch serpentinenreiche, leidlich asphaltierte Straßen. Gerade als ich über Busunfälle nachdenke, die sich hier - so meine ich gehört zu haben - desöfteren ereignen, taucht ein verbeultes, leeres Exemplar hinter der nächsten Kurve auf, das gerade von einem Traktor abgeschleppt wird.

In Ajmer ankommend betrachte ich meine inzwischen sonderbar stechenden Zehen, die, feuerrot, an australisches Steack erinnern: halb gar.
Die Inder nehmen alles - wie immer - mit Gleichmut. ich bemühe mich, mich anzupassen.

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Im Vorbeigehen freue ich mich über das zerfurchte, dunkle Gesicht eines Rajasthanis. Ich kann nie schätzen, wie alt diese Menschen eigentlich sind. Jeder Ausdruck von Emotion hat sich in sein Gesicht eingegraben. Ich mag den Gedanken.

Nach einer halben Stunde Busfahrt Richtung Jaipur gibt der Motor den Geist auf. Wir stehen irgendwo im nirgendwo in der flirrenden Mittagshitze.

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4h später, Jaipur.
Ich laufe durch einen leichten Nieselregen, Seitenstraßen. Während ich fotografiere attackiert mich eine Hündin.

06.05.07

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Der Citypalace. Gewänder des Maharajhas, Teppiche, Waffen. Waffen in allen Variationen, fein verzierte Dolchgriffe aus Jade in den ehemaligen Gemächern der Rani. Lärmende indische Touristengruppen, deutsche Touristen. Ein ca 60jähriger Deutscher in einem Harry Potter T-Shirt. Ich flüchte.

2h später, Jantar Mantar

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Bizarre astronomische Gerätschaften in einer parkartigen Anlage. Ich werde von guides verfolgt und sprinte eines dieser Gebilde hinauf. Von oben betrachtet wirken die Sonnenuhren noch sonderbarer.

6h später

Ich treffe zwei Engländerinnen und einen Franzosen. Wir fahren zum Monkey Temple, wo sich eine Horde Affen um unsere Erdnüsse balgt. Lucky, unser Fahrer, singt und tanzt - soweit im Sitzen möglich - zu Shakira, die aus den Rickshawboxen dröhnt.

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Wir betrachten den Sonnenuntergang über dem Armenviertel.

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Der Franzose und ich fahren zum Amber Fort.
Nach einem schweisstreibenden Aufstieg die Belohnung: ein Blick über die weite Landschaft. Das Fort ist niemals eingenommen worden - aus gutem Grund. Der ehemalige Palastgraben ist fast ausgetrocknet, zahlreiche Elefanten laufen gemächlich durch die Anlage. Die reichverzierten Mauern lassen Bilder entstehen, wie es hier einmal ausgesehen haben könnte. Kunstvolle Wandmalereien und labyrinthische Gänge winden sich durch das Fort. Kleine Balkone geben den Blick über die Berge und umliegende Gebäude frei. Die Wände sind mit ungeschickten Kritzeleien übersät, Herzen umrahmen die Namen von Päarchen auf uralten Wänden, von denen der Putz bröckelt. Ich bin entsetzt.

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Ca 4h später sitze ich in einem Bus nach Delhi und werde mehrfach belästigt, bis ich meinen Nebenmann anschreie, der es an seiner Station sehr eilig hat auszusteigen und seine Reisetasche vergisst. Ca 6h später stehe ich an der Autobahn, ein Stückchen außerhalb der Stadt. Ca 20 Rickshawfahrer scharen sich um mich, aber antworten nicht auf meine Anfragen, reagieren nicht, schauen nur. Das Prepaid Office behauptet, es seien keine Taxis available. Ein Rickshawfahrer fragt mich, was mein Problem sei, warum ich mich so aufrege. Endlich findet sich ein Dummer, der bereit ist mich zu fahren, aber alle paar Sekunden anhält, um einen anderen zu überreden, womit er kein Glück hat. Wir irren durch die Straßen, der Fahrer spricht kein Wort Englisch und redet auf Hindi eindringlich auf mich ein.

Das Schöne an Indien : man kommt immer an. Irgendwann.

(heute nacht nach Haridwar)

Donnerstag, 3. Mai 2007

Pushkar

Die erste AC-Erkaeltung bricht durch. Die Inder fahren in die Berge. Unertraegliche Hitze.

Dienstag, 1. Mai 2007

Göttliche Zeichen

Gestern abend ist mein Pushkararmbändchen gerissen.
Letztes Jahr sagte mir der Priester, ich würde mit meinem Mann wiederkommen.
Das macht mir jetzt irgendwie Angst.

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